Hat den Engel kurz erblickt
doch konnte er nicht widersteh'n
tat nur ein paar kurze Schritt
wollte wirklich sicher geh'n
konnte an nichts Andres denken
denn Engel sind so wunderschön
Wir waren auf zweitausend Fuß
als der Junge sprang hinaus
die Schwerkraft nimmt ihn in den Bann
doch er macht die Arme auf
lächelnd fällt er in den Tod
Licht bricht aus den Wolken aus
Freudig Jubelnd durch den Nebel
da kommt es ihm noch in den Sinn
im freien Fall aus dieser Höhe
rafft es jeden Mensch dahin
schleichend dann kommt doch die Angst
und er schreit sie in den Wind
Schon kann er den Boden sehen
das Schicksal nimmt nun seinen Lauf
doch erhaben und voll Würde
schwebt der Engel ihm hinauf
stumm schließt der Junge seine Augen
schöpft neue Hoffnung und schlägt auf
Engel schweben brav gen Himmel
selten blicken sie herab
auf all die hoffnungslosen Jungen
in ihrem kaltem, tiefen Grab
denn täglich, immer auf ein Neues
stürzen Jungen sich herab
Ich geb' mich gerne wortgewand
bin rhetorisch weit bekannt
rede gerne viel und schnell
beschreib' die Dinge krass und grell
Rufe auf zur Revolution
boykottiere jede Religion
spiel' auch gern den Antichrist
aber wenn du bei mir bist ...
Kaum stehst du bei mir
und ich spüre dich hier
weckst du das Tier in mir
und ich HASSE dich dafür!
Ich bade gern in Spott und Hohn
stürz' mit Gewalt jeden Thron
stelle mich in Kriegerposen
und lasse die Massen tosen
Ich bin ein Teil vom Widerstand
streue Chaos tief ins Land
hinterlass' verbrannte Erde
bin der Schrecken aller Meere!
Kaum stehst du bei mir
und ich spüre dich hier
weckst du das Tier in mir
und ich HASSE dich dafür!
Kaum bist du mit mir
und ich spüre dich hier
weckst du den Wolf in mir
und ich LIEBE dich dafür!
Es ist Mittag, quasi High Noon und die ewig gestressten Krawattenträger strömen aus ihren Glaskäfigen um in ihrer knapp bemessenen und nicht bezahlten Mittagspause möglichst schnell eine Überdosis Koffein und Zucker zu bekommen, während eine Gruppe jugendlicher Punks auf dem genau auf sechs Millimeter geschnittenen Rasen der Parkanlage, direkt vor dem "Betreten der Rasenfläche verboten!"-Schild Picknicken. Eine Mutter zerrt ihr Kleinkind von Kaufhaus zu Kaufhof um ihm endlich die neue Kindersportkollektion eines namhaften Herstellers zu besorgen, damit das kleine auch den Status der Eltern in der Krabbelgruppe behaupten kann und übersieht dabei ganz, wie fasziniert der Kleine doch von den Tauben am Brunnen ist, welche sich redlich Mühe geben den geworfenen Brotkrumen der älteren Dame, die einsam und allein auf einer Parkbank sitzt, zu entkommen um sich wieder ihrem eigentlich Ziel: Der vollständigen Verunstaltung des Brunnens mit Taubenkot, zu widmen. Ungeachtet dessen diskutiert eine Reihe älterer Herren mit dem Bier in der Hand und nach dem Klischee in alten Trainingsanzügen gekleidet über die bolschewistische Weltverschwörung und wie der Jude ihre Arbeitsplatz zerstört hat, ich frage mich dabei wie "der Jude" bitte einen Unteroffizier des Heeres entlassen kann, aber das tut ja nichts zur Sache, irgendwie wird er schon Schuld haben.
Untermalt vom Läuten der einfahrenden Straßenbahn dringen die Klänge des dunkelhäutigen Predigers an meine Ohren, der neben der Haltestelle seine Plakate ausgebreitet hat: "Jesus liebt Alle! Gott hasst Scheidung, Anwälte, Streit ..." weiter lese ich nicht, als einer der Punks meint, dem Alten sei sicher seine Frau weggelaufen und hätte ihn verklagt - ich muss Lächeln. Und während der Duft von Zigaretten, Taubenkot, frisch gemähtem Rasen und Kaufhausduft langsam in mein Bewusstsein steigt, kurz bevor ich mein Buch aufschlagen und mich in meine Fantasy-Welt flüchten wollte, fällt er mir ins Auge.
Ein älterer Herr, in einem feinen Anzug, jene alten Anzüge, wie sie schon Al Capone und Ray Charles getragen haben und dieser Mann füllt den seinen mit Würde und Eleganz aus. Zugegeben, sowohl der alte Herr mit dem zerknitterten Gesicht als auch sein Streifenanzug haben sicherlich schon bessere Tage gesehen, aber irgendwie faszinieren sie mich beide, wie sie so gemeinsam über all den Stadtstress erhaben durch den Park flanieren, ungeachtet der Menschenmassen die sie umströmen, ungeachtet der Blicke und vollkommen unerreichbar für Taubenkot und bolschewistische Verschwörungen. So stolziert der Herr, den ich im selben Moment Pate getauft habe, so stolziert eben jener Pate an mir vorbei zur Parkbank mit der Rentnerin, die schon eine Viertelstunde vergeblich versucht die Tauben mit ihren Brotkrumen zu erwischen. Vielleicht sind sie ein Paar, kommt es mir in den Sinn, vielleicht ist er soeben nach fünfzig Jahren aus den Staaten zurückgekehrt nur um seine alte Jugendliebe hier in diesem Park, am Brunnen wiederzusehen. Er sieht in ihre Richtung und Lächelt fröhlich, kaum zu fassen, dass ich Zeuge eine solchen Szene werde, von denen ich bisher dachte, sie geschehen nur in Hollywood. Langsam flaniert der Pate auf die Dame zu, es scheint mir als wolle er seine Arme breiten. Jetzt steht er auf gleicher Höhe zu ihr und sieht hinab, sie sieht zu ihm auf und lächelt ebenfalls dieses alte, freundliche Willkommenslächeln. Hinter mir quietschen die eisernen Bremsen der Straßenbahn, die Parkbankdiskussion über die bolschewistische Weltverschwörung hat ihren Höhepunkt erreicht und einer der alten Unteroffiziere zertrümmert lachend eine leere Bierflasche, der dunkelhäutige Prediger wird von der Polizei bedrängt und muss seine Plakate wieder abbauen ... da bückt sich der Pate, noch immer Lächelnd, an der Rentnerin vorbei und greift neben ihr in den Mülleimer um eine verschmutzte Pfandflasche hervorzukramen und mit glücklichen Augen in sein Ledertragetasche zu stecken.
Der Wert einer Gesellschaft, ist dannach zu beurteilen, wie sie mit ihren Alten umgeht!
Was wissen wir schon?
Da ist man der festen Überzeugung man wäre informiert, dank Tagesschau und Tageszeitung immer weltpolitisch aktuell auf dem Laufendem und weil man den Geschichte Leistungskurs belegt hatte, sich nebenbei über Doku-Sendungen und entsprechende Bücher informiert, fühlt man sich auch auf diesem Gebiet völlig sicher. Man hat schon Alles gehört und Vieles gesehen und kann seine Argumente mit Statistiken und Thesen aus angesehenen Fachzeitschriften belegen, sollte das noch immer nicht reichen ist man sogar in der Lage die großen Köpfe der Zeit in vier verschiedenen Sprachen zu zitieren. Kurz um: Man fühlt sich gewappnet und hält sich für berechtigt seine eigne Meinung bilden zu dürfen, nicht wahr?
Dann überkommt es einen wie ein kalter Schauer, die Kontrolle! Wer hat verdammt noch mal die Kontrolle über all das? So fällt es einem wie Schuppen von den Augen, man wird nicht informiert, man wird mit System manipuliert! Da kommt man zufällig in Kontakt mit Leute die wirklich bei dem dabei waren, was man vorgestern noch in den Tagesthemen gesehen hat und was bekommt man zu hören? Nicht das die Redaktion etwas umgedichtet hätte, Medien lügen nicht, sie unterschlagen! Man sieht Bilder von verwüsteten Straßenzügen und es ist die Rede von Chaos und Gewalt, aber das es sich nur um einen Straßenzug aus verschiedenen Perspektiven handelt und eigentlich nur eine kleine, von der Polizei eingekesselte und mit Tränengas traktierte Gruppe Jugendlicher ihrer Verzweiflung und Ohnmacht Luft gemacht hat, das erfährt man nicht ... Nein, stattdessen liest der nette Herr mit der Krawatte von Terror und mindestens 50 Verletzen Polizisten, kein Wort davon das die Uniformierten sich versehentlich mit dem Tränengas selbst beschossen haben und erst recht wird zwei Tage später nicht revidiert, als bekannt wird, dass ein Beamter eine Null zuviel angehängt hat.
Dann wird die Luft klar wie nach einem starken Regenschauer und man meint bis zum Horizont sehen zu können. Unterstehen die Öffentlich-Rechtlichen Medien nicht ihrem Geldgeber, dem Staat? Wird die Politik nicht gelenkt von Lobbys und was würde passieren wenn die Industrie die teuren Werbespots kurz vor dem Heute Journal boykottierte? Man darf doch die Hand nicht beißen, die einen Füttert! Gäbe es wissenschaftliche oder historische Studien ohne einen zahlenden Auftraggeber und was wären die Fachzeitschriften ohne ganzseitige Hochglanz-Werbeanzeigen in denen Chemieunternehmen für sich selber werben? Wer bestimmt eigentlich Lehrpläne an Unis und Schulen und wer hat auf diese Leute Einfluss? Warum muss auf einmal alles daraufhin arbeiten, dass man sich nach seiner Bildungszeit brav in die Reihen der stummen, fleißigen Arbeitnehmer einreiht?
Plötzlich überschlagen sich die Fragen und es kristallisiert sich aus all dem Mist ein ganz deutliches: Wem nützt das alles? Und dann holt dich die Realität von den Füßen, man wird ohnmächtig ... ohnmächtig vor Wut, Zorn. Verliert die Kontrolle, fühlt sich gesteuert und Gelenkt, doch bekommt die Stricke der eigenen Marionette nicht zu greifen und erst Recht findet man die Klinge nicht diese Stränge der Manipulation zu durchtrennen. Da marschieren die anderen, in Reih und Glied, unfähige die Seile zu erkennen mit denen sie gesteuert werden nehmen sie die Pfeife nach der sie Tanzen nur unterbewusst wahr. Das macht dich noch wütender, sie lächeln so überheblich, betrachten dich fast mitleidig. Der arme Teufel ist offensichtlich abgedreht, vollkommen seinen absurde Theorien verfallen und deshalb muss man auch seinen Fragen nicht beantworten, seinen Rufen keine Beachtung schenken, die Transparente nicht lesen, denn man weiß es ja besser aus der Tagesschau, der Zeitung, der Schule ... die Spirale dreht sich weiter und du mit ihr, wie in einer riesigen Wasserrutsche und schon kannst du das Becken unter dir erkennen, es ist ein Nichtschwimmerbecken, bis zum Rand voll mit Beruhigungsdrogen jeglicher Art, nur in der Schule hat dir niemand das Schwimmen in solch einem Becken beigebracht. Du versuchst es aufzuhalten, deine Hände krallen verzweifelt nach dem Rand und irgendwer drückt dir einen Backstein in die Hand. Auf einmal bist du umzingelt von noch mehr Marionetten, uniformiert, bewaffnet und unkenntlich gemacht, ohne zu Fragen bereit die Macht zu verteidigen, die sie manipuliert.
Und in deiner Verzweiflung, in deiner Wut, in deiner Ohnmacht wirfst du den ersten Stein und just in diesem Moment macht jemand ein Foto!
Weißt du was ein Gedankenexperiment ist?
Soll das die Welt der Erwachsenen sein?
Ist dies der Ernst des Lebens?
Warum fühle ich mich dann so verloren,
war all mein Streben vergebens?
Ich fühle wie die Zeit durch meine Hände rinnt,
bin nicht mehr in der Lage sie zu halten.
Ich spüre wie sich etwas in mir auf Ende trimmt,
versuche erfolglos entgegen zu schalten.
In meinem Kopf pochen unglaubliche Schmerzen
und ich sehe Erinnerungen verblassen.
So beobachte ich mit weinendem Herzen,
bleibe gezwungen erstaunlich gelassen.
Doch die Suche nach Trost bleibt hier vergebens,
sehe ich im feuchten Nebel nur harte Minen.
Wo bleibt der Sinn dieses Lebens?
Freiheit! Freiheit! Denken, nicht dienen!
So weile ich hier, einsam und allein
breite meine Arme aus und lasse los
wünschte, die Nacht wäre endlich mein
lasse mich fallen in ihren Schoss
Ich flehe zu dieser unbekannten Macht,
dass sie mich treiben lässt.
Langsam überkommt mich diese Kraft
und ich spüre wie mich mein Bewusstsein verlässt.
Es keimt Hoffnung, dass mich der Schlaf übermannt,
so treibe ich hinaus in die zeitlose Welt,
werde vom Land der Träume überrannt,
und läutere mich zum tapferen Held.
Das schöne an diesem unruhigen Schlummer,
den die Pflicht doch so oft unterbricht,
sind die Stunden, welche vergeh'n ohne Kummer
und das kleine, noch sehr schwache Licht,
das zu erahnen ist am Ende des so dunklen Tunnels
und sich in den Fluten noch bricht
FREIHEIT!
Bin noch nicht reif an Tagen
auch noch kein wenig weise
doch blick ich schon mit Schmerz zurück
wie es tun die alten Greise
trauer alten Tagen nach
sehn' mich wie es früher war
kann die Gegenwart nicht tragen
seh' die Zukunft auch nicht klar
ich bin nicht für den Krieg gebor'n
und auch nicht für die raue See
so wünsch ich mich nach Haus zurück
wo ich euch alle wiederseh'
ich denk' zurück an alte Freunde
hab' sie lange nicht geseh'n
alte Liebe quält mein Herz
wie lange wird sie noch besteh'n?
und so schleifen mich die Wellen
ringt das Meer, Tag ein - Tag aus
immer mehr an Lebensfreude
tropfenweise aus mir raus
könnt' ich doch nur die Schwingen breiten
wie ein Vogel, gar so frei
würd' ich noch heute zu euch gleiten
käm' ich heute Nacht vorbei
doch die Flut hemmt all mein Mühen
so bleiben der Gedanken zwei:
noch eine Woche bis zum Hafen
dann komme ich bei euch vorbei
und noch vier Monde bis zum Ende
dann bin ich endlich wieder frei!
Ich hab dir einst mein Herz gegeben,
du warst der Sinn in meinem Leben.
Doch du hast mich ausgelacht
und es dann kaputt gemacht!
Man braucht ein Herz zum überleben,
So rührt sich in mir nun kein Beben.
Es ist wohl noch ein stark Verlangen
deine Nähe zu erlangen!
Doch die Liebe zieht nicht mehr,
eine Suche treibt mich her.
Will finden es vielleicht bei dir,
was einst gehörte fest zu mir!
So schneid ich jetzt mit scharfer Klinge,
aus der Tiefe deiner Sinne,
deine Seele frei heraus
und nehm sie mit zu mir nach Haus!
Ich hab gerächt in jener Nacht,
was du mir einst kaputt gemacht.
Fest errungen führ ich hier,
bei mir auch einen Teil von dir!
dann bin ich endlich wieder frei!
Hört ihr nicht des Donners Grollen?
Seht wie die Flut das Land verschlingt
und jedes einzeln Lebewesen verzweifelt noch nach Atem ringt!
Hinfortgespült und Weggeweht,
von der Regenlast erdrückt,
die jeden Funken, jedes Feuer
mit Wasser nun im Kein erstickt!
Blitze zucken, Wolken brechen.
Hört ihr wie das Land erbebt?
Die Pfannen bläst es von den Dächern
und rasend sich die Flut erhebt!
Das ist die Rache der Natur
und ihr habt sie heraufbeschwor'n,
mit Ordnungswahn und Abgasschwall.
Erntet ihr nun Mutters Zorn!
nach 20 Jahren Krieg
da wird man depressiv
im ewigen Kampf gegen mich selbst
in dem ich unterlieg'!
es ist nichts wie es scheint
keine heile Welt
das ist was mich nach 20 Jahren
immer noch so quält
Bilanz nach 20 Jahren
fällt gar traurig aus
alle Hoffnungen und Kinderträume
zerfallen wie ein Kartenhaus
20 Jahre fast umsonst
so könnte man fast meinen
bin den gemalten Weg gegangen
Widerstand gab's keinen
das nennen sie jetzt Reife
und erwachsen sein
Vorbild soll ich spielen
für die Kinderlein!
Tugendhaft und voller Stolz
und voller wissen noch dazu
hochgewachsen, wortgewandt
aber geb' brav Ruh!
doch seh' ich schon voraus
die nächsten Mühlsteine
mich zu knechten und zu reiben
bis ich wieder weine
Bilanz nach 20 Jahren
fällt gar traurig aus
alle Hoffnungen und Kinderträume
zerfallen wie ein Kartenhaus
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