Nachruf zum Bildungsstreik

Geschrieben von lonely-wolf in Politik am Mittwoch, 24. Juni 2009

Politik

Dieser Artikel entstand am 20.06.2009 unter den Eindrücken der und als Reaktion auf die gewaltsame Räumung der friedlichen Besetzung des Rektorats der Universität Heidelberg durch die Polizei.

Freie Bildung und demokratische Hochschulen!

In einem fernen Land, sind Universitäten nur einer Geldelite zugänglich, der es möglich ist ihren Sprösslingen die finanziellen Hürden des Studiums zu bezahlen und undurchsichtige Gremien, bestehend aus aalglatten Wirtschaftsbonzen bestimmen in geheimen Tagungen was gelehrt wird, wer lehrt und wie gelehrt wird.

In diesem nicht ganz so fernen Land haben Studenten kein Recht auf Mitbestimmung, sie können sich nur entscheiden ob sie die ihnen aufdiktierten Bestimmungen akzeptieren oder lieber exmatrikuliert werden, um somit aus der Bildungselite ausgeschlossen zu sein, die später die Geschicke eben jenes Landes bestimmen dürfen.
Vielleicht nennen sich einige Universitäten in diesem Land ja deswegen Elite-Universität?

In dem besagten Land sind die Universitäten chronisch unterfinanziert, weil der Staat seiner Pflicht als Bildungsfinanzier nicht nachkommen kann, muss er doch hohe Subventionen und Kredite an die Wirtschaft zahlen um Arbeitsplätze und Steuergelder zu erhalten. Dafür haben nun die Kapitalisten das Geld, spenden es zu kleinen Teilen an Universitäten um sich so in das Bildungssystem ein zu schleichen. Sie präsentieren ihre Werbung in Bibliotheken und Mensen, lassen Hörsäle nach den dreistesten der ihren Benennen und kaufen sich in die eingangs erwähnten Gremien ein.

In diesem, uns nun bekannten Land, schert sich die aktuelle Ministein für Bildungspolitik einen Dreck um die Sorgen und Nöte ihrer Studenten. Bezeichnet Schüler, Studenten und Dozent die gegen die aktuellen Zustände des Landes auf die Straße gehen als „ewig Gestrige“ und lässt sich lieber von schleimigen Wirtschaftslobbyisten in feinen Anzügen einflüstern wie Bildungspolitik auszusehen hat, anstatt selber zu denken.

Dieses Land, in dem wir alle leben, lässt friedlich demonstrierende Studenten von der Polizei verhaften, anstatt mit ihnen zu Kommunizieren und auf ihre Forderungen nach Abschaffung von Studiengebühren, mehr demokratischer Mitbestimmung und freierer Studiengestaltung einzugehen. In diesem Land berichten Medien nur, was ihnen anzugtragende Uni-Rektoren vordiktiert haben, die wiederum von eingangs erwähnten Gremien ernannt und kontrolliert werden, anstatt sich selber mal an den Ort der Proteste zu begeben und einmal die betroffenen Studenten zu befragen.

Unser Deutschland lässt zu, dass die selben Wirtschaftsbosse, die uns bereits die Finanzkrise eingebrockt haben, nun über unsere Bildungspolitik bestimmen dürfen, weil der Staat zu faul, zu feige, zu schwach oder zu blöd, oder alles zusammen ist um diesen wichtigen, wenn nicht wichtigsten Punkt seine Politik selber zu gestalten.

Das ist Deutschland!

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